Einführung in die Tibetische Medizin und ihr Heilsystem
Dr. Phurbu Tsering (BTMS)
Einführung
Das Tibetische Medizinsystem ist eines der ältesten und ganzheitlichsten (holistischen) Heilsysteme der Welt. Obwohl wir auf verschiedene Arten von Therapien wie Ayurveda, die Chinesische Medizin und die Greco-arabische Medizin zurückgreifen können, ist es die Tibetische Medizin, die heute zur Behandlung von jeglichen chronischen Krankheiten sehr beliebt ist. Die Tibetische Medizin ist ein ganzheitliches Heilsystem, welches nur natürliche und pflanzliche Heilmittel verwendet.
Das Tibetische Heilsystem ist bekannt als Sowa Rigpa: Sowa bedeutet Heilung, Rigpa meint Wissenschaft. Es gilt als eines der fünf großen Wissensgebiete der Tibetischen Tradition.
Aufgaben und Ziele der Tibetischen Medizin
Das Hauptziel des Tibetischen Heilsystems ist es, menschliche Leiden – sowohl körperlich als auch geistig – zu lindern.
- Krankheiten vorbeugen und gesund bleiben
- Gesundung durch Behandlungen
- Langlebigkeit
- Ultimativer Wohlstand und Glück
Was die Traditionelle Tibetische Medizin ist
- Auftragen geschmolzener Butter auf Wunden und geschwollene Stellen
- Trinken warmen Wassers im Falle von Verdauungsstörungen
- Gechmolzene Butter bei Bluten etc.
- Einige der praktischen Erfarungen waren es, die allmählich die Basis für die Entwicklung der Heilkunst in Tibet gebildet haben
Darstellung der Geschichte
- Jahrhundert
Während der Regentschaft von König Trisong Deutsen (755-595) wurde die erste Internationale Medizinkonferenz in Samye, Tibet abgehalten. Ärzte, ausgebildet in den Heilsystemen Indiens, Persiens, Nepals, Griechenlands, Chinas und anderer Nachbarländer haben miteinander debattiert und ihr Wissen geteilt. Nach der Konferenz vereinte Yutok Yonten Gonpo, der Ältere, die verschiedenen asiatischen Heilsysteme und schrieb die Vier Tantras, bekannt als die rGyud-bZhi (ausgesprochen: Gyu-shee). Er gründete die erste Tibetische medizinische Hochschule in Kongpoo sMenlung, Tibet im Jahr 762.
- Jahrhundert
Yuthok Yonten Gonpo, der Jüngere, schrieb 18 weitere ergänzende Werke zu den rGyud-bZhi; die Lehren, auf denen die Tibetische Medizin seitdem basiert (siehe „Die vier Wurzeln“).
- Wurzeltantra
- Tantra der Erklärung
- Tantra der Folge
- Tantra der Mündlichen Überlieferung
Das Werk umfasst 160 Kapitel.
Der fünfte Dalai Lama gründete das Tibetische Medizinische Institut Chakpori.
1916
- Der dreizehnte Dalai Lama gründete Men-Tsee-Khang in Lhasa, Tibet.
- 1959 marschiert China in Tibet ein und Men-Tsee-Khang schließt vorübergehend. Viele der Mitarbeiter und Studenten sowie ganze Dörfer Tibetischer Ärzte werden verhaftet und inhaftiert. Die meisten sterben im Gefängnis. In den folgenden Jahren zerstören chinesische Behörden viele tibetisch-medizinische Schriften, Gemälde und traditionelle Heilmittel. Wie jeder weiß, war dies das Jahr, in dem wir unser Land und seine Schönheiten verloren.
In Indien
- Direkt nach seiner Ankunft im Exil baute seine Heiligkeit, der vierzehnte (XIV) Dalai Lama Men-Tsee-Khang 1961 in Dharamsala wieder auf und bewahrt seitdem die Tradition der Tibetischen Medizin.
- Im Jahr 1933 gründete das Zentralinstitut für höhere Tibetische Studien in Sarnath, Varanasi eine neue Abteilung für Tibetische Medizin.
Was ist Tibetische Medizin?
- Sie ist eine Wissenschaft, weil ihre Prinzipien in einem systematischen und logischen Rahmen aufgebaut sind. Die Arbeit basiert auf der Kenntnis des Körpers und dessen Beziehung zu seiner Umwelt.
- Sie ist eine Kunst, weil ihre diagnostischen Techniken auf Kreativität, Erkenntnis, Feinsinn und dem Mitgefühl des Arztes beruhen.
- Sie ist eine Philosophie, weil sie die wichtigsten buddhistischen Prinzipien wie Altruismus, Karma und Ethik umfasst.
Die primäre Ursache einer Krankheit
Beispiel: Ein Vogel mag hoch in den Himmel fliegen, jedoch niemals getrennt von seinem Schatten. Genauso kann ein Lebewesen zwar ein gesundes und angenehmes Leben genießen, jedoch nie getrennt von den Krankheiten, die mit Ignoranz verbunden sind; zumindest bis wir erleuchtet sind. Ignoranz ist die Hauptursache aller Krankheiten, denn aus Ignoranz heraus entwickeln sich die frei folgenden Geistesgifte:
- Gier
- Zorn
- Unwissenheit, Verblendung
Durch die drei obigen Geistesgifte entwickeln sich im Weiteren drei Körpersäfte (Energien):
- Gier führt zu Wind
- Zorn führt zu Galle
- Unwissenheit, Verblendung führt zu Schleim
Das Prinzip der drei Energien
- Rlung (Wind) ist eine der drei Prinzipien der Körpersäfte und manifestiert die Natur des Luftelementes in unserem Körper (Bewegung). Charakteristisch sind die Eigenschaften rau, leicht, kalt, hart und beweglich (mobil). Wind ist verantwortlich für körperliche und geistige Aktivitäten, Atmung, Ausscheidung von Urin, den Fötus, Menstruation, Spucken, Aufstoßen und Sprechen, desweiteren sorgt Wind für die Klarheit der Sinnesorgane. Dieses Prinzip erhält das Leben durch seine Funktion als Mediums zwischen Wind und Körper.
- MKHRIS-PA (Galle) hat grundsätzlich die Natur von Feuer. Es ist gekennzeichnet durch die Eigenschaften ölig, scharf, heißes Licht, übelriechend, abführend und fließend. Galle ist verantwortlich für Hunger, Durst, Verdauung und Anpassung. Es fördert Körperwärme, verleiht dem Körper Glanz und sorgt für Mut und Entschlossenheit.
- Bad-Kan (Schleim) ist von kalter Natur und charakterisiert durch ölige, kühle, schwere, fest-glatte und klebrige Eigenschaften. Schleim ist verantwortlich für die Festigkeit des Körpers, die Stabilität des Geistes. Schleim induziert Schlaf, verbindet die Körpergelenke, erzeugt Toleranz und schmiert den Körper.
Subtypen
- Loong (Wind)
- Lebenserhaltend
- Aufsteigend
- Überzeugend
- Feuerbegleitend
- Absteigend
- Tripa (Feuer)
- Verdauung
- Farbregulierung
- Durchführung
- Anblick
- Klärung des Hautbilds
- Baken (Schleim)
- Unterstützung
- Zerlegen
- Erfahrung
- Befriedigend
- Verbindung
Ursache einer Krankheit
- Ernährung
- Lebensstil
- Saisonal
- Böser Geist
ཉེས་པ་ཕེལ་ཟད་འཁྲུགས་གསུམ་ (Überschuss, Mangel, Störung) རྐྱེན་བཞི་ལ་བརྟེན་ནས་ཉེས་པ་རླུང་མཁྲིས་བད་ཀན་གསུམ་འཕེལ་བ་ཟད་པ་འཁྲུགས་བཅས་ཆོས་ཉིད་ཆག་འགྲོ་ཡི་ཡོད་རེད་་དེས་ན་ཉེས་པ་གསུམ་གང་འདྲ་བྱེད་ནས་འཁྲུགས་ཀྱིས་ཡོད་རེད་ཟེར་ན་འཚོའི་སྨན་གཞུང་ནང་ལ་ངོ་འཛིན་བརྟགས་བཅས་ཟེར་གྱི་ཡོིད་རེད་
Diagnose in der Tibetischen Medizin
- Beobachtung – dies beinhaltet das Überprüfen des Hautbildes des Patienten sowie der Farbe und der Merkmale seines Blutes, seiner Nägel, seines Auswurfs, seines Stuhls und anderer allgemeiner Gegebenheiten. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Zustand der Zunge und des Urins des Patienten gewidmet.
- Tastung – Pulsdiagnostik stellt die wichtigste Tastungsmethode in der Tibetischen Medizin dar. Erst nach Sicherstellung einer Reihe von wichtigen Vorbedingungen fährt der Arzt mit der Pulsdiagnostik fort. Dazu werden die drei mittleren Finger auf den radialen Arterien platziert.
- Befragung – die Befragung ist der wichtigste chemische Aspekt der Diagnose. Es gibt drei Hauptelemente einer medizinischen Befragung:
- Bestimmung der verursachenden Faktoren
- Lokalisierung der Krankheit
- Untersuchung der Anzeichen und Symptome
Dies beinhaltet, dass der Arzt den Patienten nach Ess- und Trinkgewohnheiten befragt und außerdem welche Art von körperlichen und geistigen Verhaltensweisen vom Patienten erlebt werden.
Behandlungsmethoden
- Ernährung
Die erste Form der Behandlung ist die Verschreibung einer geeigneten Ernährung. Zum Beispiel: Ein Patient leidet an einer Störung der Galle. Dieser Patient sollte keinen Alkohol konsumieren und stattdessen kaltes, abgekochtes Wasser trinken.
- Änderung des Verhaltens
Zum Beispiel: Ein Patient mit einer Störung der Galle sollte keine körperlichen Aktivitäten ausführen. Er sollte sich im Schatten aufhalten und tagsüber nicht schlafen. Wenn diese beiden Faktoren kein positives Ergebnis bringen, sind weitere Behandlungen notwendig.
- Medizin
Die Verschreibung natürlicher Heilmittel. Auch hier beginnt der Arzt zunächst mit weniger starken Mixturen und wendet sich, wenn nötig stärkeren Formen zu. Die Heilmittel können in 10 Formen eingeteilt werden: Aufguss (Sud), Pillen, Pulver, Schleimbrei (?), medizinische Butter, medizinische Asche (Calxes), medizinische Extrakte, medizinischer Wein, medizinische Edelsteine und Kräutermedizin.
- Physiotherapie
Neben der Verschreibung natürlicher Heilmittel kann der Arzt auch auf andere therapeutische Techniken zurückgreifen. Auch diese sind in sanfte und grobe Techniken zu unterteilen. Zu den sanften Techniken zählen Massagen, heiße und kalte Kompressen, Heilbäder und medizinische Bäder. Zu den groben Techniken zählen Aderlass, Kauterisieren, Moxibustion, Schröpfen, Golden Needle Therapie (Form der Akupunktur). Außerdem gibt es kleinere Eingriffe wie das Absaugen von Abszessen. Operationen werden von tibetischen Ärzten heute nicht mehr durchgeführt.
Vorteile der Tibetischen Medizin
- Sie ist frei von Nebenwirkungen
- Sie ist wirksam und kann viele unbekannte Krankheiten und Ängste heilen, die überall in der heutigen Welt auftreten
- Sie behandelt die Patienten mit Güte und Mitgefühl
Fazit
Die Tibetische Medizin richtet sich nach einer ganzheitlichen (holistischen) Philosophie, die ein harmonisches Funktionieren und ein Gleichgewicht aller Energien, die das menschliche körperlich-geistige Wesen ausmachen, beinhaltet. Diese Energien sind psychologischer Natur und schaffen die drei „NYES-PA“, oder Körpersäfte, die mit den drei Geistesgiften und den fünf Elementen, die die Basis aller Phänomene bilden, übereinstimmen. Wenn all die Faktoren, die diese Energien beeinflussen (saisonale Faktoren, Ernährung, Lebensstil und geistige Einstellung) positiv eingestellt sind, bleiben diese Energien in einer ausgewogenen Funktionsweise und Gesundheit wird erfahren. Es ist das Ziel der Tibetischen Medizin, dass das Gleichgewicht der Energien erhalten bleibt.
VORBEREITUNG AUF DIE BERATUNG
Für ein optimales Prüfergebnis sind einige Dinge zu beachten. Am Tag vor der Untersuchung sollte man alle Extreme
in Ernährung und Verhalten vermeiden!
- Vermeiden Sie Nahrungsmittel und Getränke, die die Farbe des Urins beeinflussen können. Die Farbe des Urins ist
eine der grundlegenden Qualitäten, die untersucht und bewertet werden.
- Vermeidung von Alkohol, extremen Aromen, starken Gewürzen, zu viel Salz,
- Vermeidung von Vitaminen, Rüben etc.
- Vermeiden Sie anregende Getränke, Kaffee, Schwarztee, Cocacola
- Vermeiden Sie reichhaltige, schwere Mahlzeiten und Rohkost.Verhalten
- Vermeidung extremer sensorischer Reize, sexuelle Aktivität
- Vermeiden Sie, sich aufzuregen und sich zu viele Gedanken zu machen
- Versuchen Sie, normal viel zu schlafen
Bitte sammeln Sie den ersten Morgenurin. (Nicht vor 4:00, jedoch vor dem Frühstück). Es sollte der Mittelstrahl sein
und möglichst nicht weniger als ca. 150 ml.
HINWEIS
- Ca. 150-200 ml Morgenurin in einem sauberen und geruchlosen Glasbehälter mitbringen
TIPP
Stellen Sie das beschriebene Glas schon abends auf die Toilettenbrille, dann wird es nicht vergessen.
